Im Laden entscheidet meist die Optik, im Gelände die Physik. Wer bei nasskaltem Wetter im Harz unterwegs ist, merkt nach einer Stunde, ob die Jacke zur Belastung passt. Der häufigste Fehler liegt dabei selten in mangelnder Dichtigkeit, sehr viel öfter in zu geringem Dampfdurchlass.
Zwei Kennzahlen beschreiben das Verhalten einer Jacke, und beide stehen auf dem Etikett. Wer sie einordnen kann, findet in wenigen Minuten das passende Modell und spart sich den Griff zur teuersten Variante, die für den eigenen Einsatz häufig überdimensioniert ist.
Die Wassersäule gibt an, welchem Wasserdruck ein Material standhält, bevor Feuchtigkeit hindurchtritt. Gemessen wird in Millimetern, und die Einordnung fällt einfacher aus, als die Zahlen vermuten lassen.
Der Rucksack ist dabei der Punkt, an dem viele Jacken scheitern. Unter den Trägern entsteht durch Gewicht und Reibung ein deutlich höherer Druck als auf der freien Fläche, weshalb dort auch bei mäßigem Regen Feuchtigkeit durchkommt. Wer regelmäßig mit Gepäck unterwegs ist, sollte deshalb eine Stufe höher greifen.
Die zweite Kennzahl beschreibt, wie viel Wasserdampf das Material nach außen abgibt. Angegeben wird sie entweder als Wasserdampfdurchgangswert in Gramm je Quadratmeter und Tag oder als Widerstandswert, bei dem ein niedrigerer Wert für besseren Durchlass steht.
Praktisch gilt eine einfache Regel. Je höher die körperliche Anstrengung, desto wichtiger die Atmungsaktivität und desto weniger zählt eine sehr hohe Wassersäule. Wer bei Kälte schwitzt und die Feuchtigkeit nicht loswird, friert anschließend stärker als jemand, dessen Jacke ein wenig Regen durchgelassen hat.
Beim Vergleich lohnt der Blick auf beide Werte gemeinsam. Wer eine passende Auswahl an Winterjacken bei unterwegs.biz durchgeht, sollte deshalb nicht allein nach der höchsten Wassersäule sortieren. Ein Modell mit 10.000 Millimetern und guter Dampfdurchlässigkeit ist für Wandern im Harz die klar bessere Wahl als eine dichtere Jacke, die bei Anstrengung von innen nass wird.
Ergänzend hilft die Ausstattung. Unterarmbelüftungen mit Reißverschluss regeln die Wärme schneller als jede Membran und wiegen kaum etwas. Für Touren mit wechselnder Belastung sind sie der wirksamste Einzelfaktor überhaupt. Händler wie unterwegs.biz führen die beiden Kennzahlen und die Belüftungsöffnungen in den Produktdaten getrennt auf, was den Vergleich zwischen Modellen erheblich abkürzt.
Über der Membran liegt eine wasserabweisende Ausrüstung, die dafür sorgt, dass Wasser abperlt. Lange bestand sie aus fluorierten Verbindungen. Das Umweltbundesamt fasst unter dem Stichwort umweltschädliche Chemikalien aus Outdoorkleidung verbannen zusammen, dass diese Stoffe in Membranen und in schmutz-, öl- und wasserabweisenden Ausrüstungen eingesetzt werden und nennt als Alternativen Polyurethan-, Polyester- und Polyetherester-Membranen sowie Imprägnierungen auf Wachs- oder Silikonbasis.
Erwähnt werden dort auch nichtchemische Wege, etwa dicht gewebte Textilien, die bei Wasserkontakt aufquellen, sowie reine Wolle, die von Natur aus wasserabweisend wirkt. Für Alltag und moderate Touren funktionieren fluorfreie Ausrüstungen inzwischen zuverlässig, sie müssen allerdings häufiger aufgefrischt werden.
Diese Auffrischung wird oft vergessen. Perlt Wasser nach zwei Jahren nicht mehr ab, saugt sich der Oberstoff voll und die Jacke fühlt sich klamm an, obwohl die Membran intakt ist. Eine Wäsche mit Spezialwaschmittel und anschließendes Nachimprägnieren stellt die Funktion in der Regel wieder her.
Bei der Wärmeleistung stehen Daune und Kunstfaser gegeneinander. Daune isoliert bezogen auf das Gewicht besser und lässt sich kleiner packen, verliert ihre Wirkung aber weitgehend, sobald sie nass wird. Kunstfaser wärmt auch feucht weiter, wiegt dafür mehr und braucht mehr Platz im Rucksack.
Für das deutsche Mittelgebirge mit seinem feuchten Winterwetter spricht vieles für Kunstfaser. Daune spielt ihre Stärke bei trockener Kälte aus, also im Hochgebirge oder bei tiefen Minusgraden. Wer sich für Daune entscheidet, sollte auf eine Kennzeichnung zur Herkunft achten, weil die Gewinnung tierschutzrechtlich unterschiedlich geregelt ist.
Als Kennzahl für Daune dient die Bauschkraft, angegeben in Cuin. Werte ab 600 gelten als gut, ab 800 als hochwertig. Bei Kunstfaser fehlt eine vergleichbare Größe, weshalb dort das Füllgewicht in Gramm die brauchbarste Orientierung bleibt.
Eine Winterjacke wird über der Kleidung anprobiert, die später tatsächlich darunter getragen wird. Für das Lagenprinzip braucht es Platz für eine Isolationsschicht, ohne dass die Ärmel beim Armheben nach oben rutschen oder der Rücken frei liegt.
Drei Details lohnen die Prüfung in der Kabine. Die Kapuze sollte sich mit einer Hand verstellen lassen und beim Kopfdrehen mitgehen. Die Ärmelbündchen müssen über Handschuhen schließen. Und der Saum sollte im Rücken etwas länger geschnitten sein, damit er beim Vorbeugen bedeckt bleibt.
Die Anforderungen unterscheiden sich stärker nach Aktivität als nach Temperatur. Wer den Winterurlaub im Harz plant, sollte vorab klären, ob überwiegend gewandert, Ski gefahren oder spaziert wird. Beim Abfahrtslauf zählen Schneefang und robuste Außenlage, beim Langlauf dagegen Bewegungsfreiheit und ein deutlich geringerer Wärmebedarf.
Für Winterwanderungen im Mittelgebirge hat sich eine Kombination aus wasserdichter Außenjacke und separater Isolationsjacke bewährt. Sie ist flexibler als eine gefütterte Jacke, weil sich die Wärme über die Zwischenschicht regeln lässt, und beide Teile sind einzeln auch außerhalb des Winters verwendbar.
Wer mit Hund unterwegs ist, hat ein zusätzliches Kriterium. Auf den hundefreundlichen Wanderwegen im Harz wechseln Tempo und Belastung ständig, weil immer wieder gewartet und stehen geblieben wird. Genau dieses Wechselspiel verlangt eine Jacke, die sich schnell öffnen und wieder schließen lässt, ohne dass die Kälte sofort durchgreift.
Unterm Strich sind zwei Zahlen und drei Handgriffe entscheidend. Zehntausend Millimeter Wassersäule mit guter Atmungsaktivität decken den größten Teil der Winteraktivitäten ab, und Kapuze, Bündchen und Saum verraten in der Kabine binnen einer Minute, ob eine Jacke im Gelände taugt. Alles darüber hinaus ist Komfort, den man kaufen kann, aber selten braucht.