Wer regelmäßig wandert, verbindet mit einem Städtetrip oft das Gegenteil dessen, was er sucht. Enge, Lärm, Menschenmengen und Programm statt Ruhe. Diese Erwartung trifft auf manche Städte zu und auf andere überhaupt nicht. Denn was eine Wanderung ausmacht, also Bewegung über Stunden, Aussicht am Ende eines Anstiegs und das Gefühl, eine Landschaft aus eigener Kraft erschlossen zu haben, gibt es in einigen europäischen Städten in erstaunlich ähnlicher Form. Die folgenden Ziele sind ab Hamburg in unter drei Stunden erreichbar und danach sortiert, was Wanderer daran interessiert.
Edinburgh ist die einzige europäische Hauptstadt mit einem erloschenen Vulkan im Stadtgebiet. Der Arthur’s Seat erhebt sich 251 Meter über die Altstadt, und der Aufstieg dauert vierzig Minuten über einen Pfad, der eher an Mittelgebirge als an Stadtpark erinnert. Oben steht man auf blankem Fels mit Blick über den Firth of Forth. Dazu kommen die Pentland Hills am südlichen Stadtrand, die mit dem Linienbus erreichbar sind und Tagestouren über zwanzig Kilometer erlauben.
Zürich bietet dasselbe in alpiner Ausführung. Der Uetliberg liegt 870 Meter hoch, ist mit der S-Bahn in zwanzig Minuten erreichbar und über mehrere Wanderwege auch zu Fuß. Der Höhenweg zur Felsenegg führt zwei Stunden über einen bewaldeten Grat mit Blick auf den See und bei klarem Wetter bis zu den Alpen. Für einen Städtetrip ist das eine ungewöhnliche Ausgangslage, weil sich Museumsbesuch und Bergwanderung an einem Tag verbinden lassen.
Oslo liegt zwischen Fjord und Wald, und beides beginnt innerhalb der Stadtgrenze. Die Nordmarka im Norden umfasst mehrere hundert Quadratkilometer Wald mit markierten Wegen und Hütten, erreichbar mit der U-Bahn bis Frognerseteren. Nach Süden führen Fähren zu den Inseln im Oslofjord, die im Sommer im Zwanzig-Minuten-Takt fahren und im normalen Nahverkehrsticket enthalten sind. Wer morgens im Wald läuft und nachmittags auf einer Insel sitzt, hat einen Tag verbracht, der mit einer Wanderwoche mehr gemein hat als mit Sightseeing.
Porto arbeitet mit einem anderen Element. Die Stadt fällt in Terrassen zum Douro ab, was jeden Weg zu einer Übung in Höhenmetern macht. Vom Fluss bis zur Kathedrale sind es etwa achtzig Meter Anstieg über Treppen und Gassen. Wer weiter will, folgt der Küstenpromenade bis Matosinhos, gut zehn Kilometer am Atlantik entlang, überwiegend auf Holzstegen.
Krakau und Budapest liegen flacher, bieten dafür Strecke. In Krakau lässt sich die gesamte Altstadt entlang der Planty umrunden, eines vier Kilometer langen Grüngürtels auf dem ehemaligen Stadtmauerring. Budapest ist größer und teilt sich in das flache Pest und das hügelige Buda, wo der Gellértberg mit 235 Metern und der Burgberg zwei ordentliche Anstiege bereithalten. Beide Städte haben eine Thermalkultur, die nach einem langen Gehtag genau das bietet, wofür Wanderer sonst in die Sauna gehen. Beide sind zudem preislich eine andere Kategorie als die skandinavischen Ziele, was bei einem verlängerten Wochenende deutlich ins Gewicht fällt.
Drei Punkte sprechen für den Tausch, vor allem in der dunklen Jahreszeit. Eine Stadt funktioniert bei Regen, weil es eine Alternative im Trockenen gibt. Sie funktioniert bei kurzen Tagen, weil das Programm nach Einbruch der Dunkelheit weitergeht. Und sie funktioniert ohne Vorbereitung, denn es braucht keine große Tourenplanung, keinen Wetterbericht und keine Ausrüstung über feste Schuhe hinaus. Für ein Wochenende im November ist das ein ernstzunehmendes Argument.
Wer die Stadt zu Fuß angeht, packt anders als für ein klassisches Sightseeing-Wochenende. Diese Dinge bewähren sich:
Ab Hamburg sind alle genannten Ziele ohne Umstieg erreichbar, die Flugzeiten liegen zwischen einer und drei Stunden. Der Aufwand liegt davor, denn aus dem Harz sind es je nach Ausgangsort dreieinhalb bis vier Stunden Fahrt nach Fuhlsbüttel. Mit der Bahn kommen ein bis zwei Umstiege hinzu, was bei einem Flug am frühen Morgen keine brauchbare Option ist.
Mit dem eigenen Wagen bleibt man unabhängig, sollte aber das Parken am Flughafen Hamburg vor der Abfahrt geklärt haben. Bei einem verlängerten Wochenende von drei bis vier Tagen liegt der Unterschied zwischen Vorausbuchung und Tagestarif am Terminal bereits im zweistelligen Bereich, und bei einer Ankunft um fünf Uhr morgens ist ein reservierter Platz mehr wert als der gesparte Betrag. Anbieter wie Holiday Extras führen für die verschiedenen Standorte sowohl terminalnahe Parkhäuser, als auch günstigere Flächen mit Zubringer, aus denen man je nach Budget wählen kann.
Die Verschiebung hin zu kürzeren, häufigeren Reisen lässt sich an den amtlichen Zahlen ablesen. Das Statistische Bundesamt weist die Übernachtungen im Gastgewerbe und Tourismus monatlich aus, getrennt nach Betriebsart und Region. Auffällig ist dabei die Entwicklung der Aufenthaltsdauer, die über die Jahre sinkt, während die Zahl der Reisen steigt.
Für die eigene Planung folgt daraus wenig, für die Preise umso mehr. Wochenenden mit Brückentagen sind früh ausgebucht, während sich die Tage von Dienstag bis Donnerstag preislich deutlich unterscheiden. Dieselbe Unterkunft kostet von Dienstag bis Donnerstag oft ein Drittel weniger als über das Wochenende.
Für alles, was mit mehreren zusammenhängenden Tagen in der Natur zu tun hat, gibt es keinen städtischen Ersatz. Wer eine Mehrtagestour plant, richtet sich besser nach der besten Reisezeit für einen Harz-Urlaub, denn September und Oktober bieten dort stabile Bedingungen für lange Touren, während die Städte im Herbst erst in ihre Nebensaison gehen.
Ohnehin schließen sich beide Formen nicht aus. Ein Leitfaden zur Planung des Harz-Urlaubs zeigt, wie sich Wanderungen, Kultur und Budget über die Jahreszeiten verteilen lassen. Wer im Sommer wandert und im November fliegt, nutzt von beidem die bessere Hälfte.