Wandern, Mountainbiken, Klettern – dafür kennen die meisten den Harz. Dass die Region auch kulinarisch einiges unter freiem Himmel bereithält, fällt beim ersten Besuch fast nebenbei auf. Zwischen bewaldeten Hängen und historischen Ortskernen reihen sich Biergärten, Terrassen und kleine Café-Gärten aneinander, in denen man stundenlang sitzen bleiben möchte. Genau das macht den Harz auch für Genießer interessant, die nach der Wanderung mehr als eine schnelle Bratwurst am Kiosk suchen. Grund genug, die Region auch abseits der Wanderwege zu erkunden.
Nach einer Tour durch den Nationalpark oder einer Radtour entlang der Selke fühlt sich der erste Schluck Kaffee auf einer sonnigen Terrasse wie ein kleiner Urlaub im Urlaub an. Frische Bergluft, Vogelgezwitscher, dazu ein Teller mit Harzer Küche – das ergibt etwas, das Stadtgastronomie so kaum bieten kann. Laut der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt nehmen rund 2,5 Millionen Menschen täglich eine Mahlzeit außer Haus zu sich. Im Harz bleiben die Leute dabei auffallend länger sitzen als anderswo. Kein Wunder – wenn rechts der Brocken aufragt und links ein Bach vor sich hin plätschert, gerät der Espresso fast zur Nebensache.
Viele Gastronomen in der Region haben inzwischen begriffen, dass der Gesamteindruck zählt. Bequeme Stühle, ein Sonnenschirm für das wechselhafte Bergwetter, stimmungsvolle Beleuchtung für die Abendstunden. Auch Kleinigkeiten wie ein gut platzierter Aschenbecher für den Außenbereich fallen Gästen auf, selbst wenn sie es selten aussprechen. An solchen Details erkennt man, ob jemand seinen Außenbereich wirklich durchdacht hat oder ob bloß ein paar Tische auf die Wiese gestellt wurden.
Die Auswahl ist größer, als man zunächst vermuten würde. In Wernigerode gibt es klassische Biergärten mit deftiger Regionalküche und selbstgebrauten Bieren. Goslar und Bad Harzburg punkten mit Café-Terrassen zwischen historischen Fachwerkhäusern. Braunlage und Thale locken nach einem aktiven Tag mit unkomplizierten Einkehrmöglichkeiten – ob rustikale Gaststätte am Ortsrand oder Restaurant mit freiem Blick auf das Bodetal. Je nach Lust und Laune findet sich für fast jede Stimmung der passende Platz.
Abseits der bekannten Orte verbergen sich entlang zahlreicher Wanderwege urige Waldgaststätten mit großzügigen Außenbereichen, die im Sommer bis in den späten Abend geöffnet haben. Das Molkenhaus bei Bad Harzburg etwa liegt mitten im Nationalpark, serviert regionale Gerichte und hat bei gutem Wetter Plätze direkt unter den Bäumen. Die Atmosphäre dort lässt sich schwer beschreiben – am besten einfach hinfahren und selbst erleben. Solche Orte machen den Harz abseits der Hauptrouten besonders reizvoll.
Die beste Zeit für Außengastronomie im Harz liegt zwischen Mai und September. Die Tage sind lang genug, das Wetter meistens stabil für einen ausgedehnten Nachmittag draußen. An Wochenenden und in der Hauptsaison empfiehlt sich eine Reservierung, vor allem in beliebten Orten wie Wernigerode oder Thale. Viele Wanderrouten führen direkt an Gaststätten vorbei – mit ein wenig Planung lässt sich die kulinarische Pause nahtlos in die Tagestour einbauen.
Ein guter Trick: Die erste Etappe bewusst kürzer halten und die Einkehr als Belohnung in der Mitte der Tour einplanen.
Den Harz kann man erwandern, erradeln oder erklettern. Man kann sich aber auch einfach hinsetzen, ein Stück Kuchen bestellen und auf die Berge schauen. Beides gehört dazu – und beides lohnt sich.